Ärztliches Fach-Webinar erweitert den Kenntnisstand zur TPS: 80% Erfolgsquote in der Praxis

Am Mittwoch, den 02. März fand das erste Fach-Webinar im Jahr 2022 (aus Corona-Gründen per Videokonferenz) zur Transkraniellen Pulsstimulation (TPS) mit dem Schwerpunkt Therapie bei Alzheimer-Demenz statt. 140 Mediziner*innen und medizinisches Fachpersonal verfolgten die Vorträge von Priv.-Doz. Dr. med. Lars Wojtecki, Dr. med. Henning Lohse-Busch und Dr. med. Alfred Spieker und diskutierten im Anschluss ausführlich zu diversen Themenkreisen. Vorab: Das wohl Wichtigste kommt zum Schluss!

Transkranielle Pulsstimulation (TPS) versus Transkranielle Magnetstimulation (TMS)

Dr. Wojtecki, Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurorehabilitation am Hospital zum heiligen Geist, Kempen, Lehrkrankenhaus der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, forscht seit Jahren an der TPS und anderen Therapiemethoden. Deshalb sprach man auch über die Transkranielle Magnetstimulation (TMS) in ihren verschiedenen Varianten. Dies sind seit 1985 genutzte Verfahren, bei denen starke pulsierende Magnetfelder eingesetzt werden. Die Magnetstimulation ist ein probates  Verfahren, das vor allem in der neurologischen Forschung genutzt wird. Dabei können die Magnetwellen längst nicht so weit in das Gehirn eindringen wie die niederfrequenten Stoßwellen der TPS (8 cm). Auch die Anwendung der TMS ist für die Patient*innen deutlich komplizierter und unangenehmer. Zudem wird die TMS bis dato nicht bei Alzheimer-Demenz und anderen Formen der Demenz eingesetzt, sondern bei schweren Depressionen, Zustand nach Schlaganfall oder auch Epilepsie. Ihr Einsatz ist stets eine Einzelfallentscheidung. Die Transkranielle Pulsstimulation (TPS) soll nun keinesfalls die Magnet-Methoden obsolet machen, aber die Vorteile der TPS zur ambulanten Behandlung, die auch in Arztpraxen durchgeführt werden kann, liegen auf der Hand:

Die TPS erreicht das gesamte Gehirnareal und kann dadurch Zellen und Gewebe in allen Hirnregionen stimulieren und regenerieren (die TMS wird nur im schädelnahen Kortex angewandt). Zudem ist sie, gemäß der teilnehmenden Anwender*innen weitgehend schmerzfrei und es sind kaum je Nebenwirkungen beobachtet worden, außer etwa vorübergehende Kopfschmerzen. Schließlich erfordert die Transkranielle Pulsstimulation von den Patient*innen keine umständlichen Vor- und Nachbereitungen, keine Rasur der Kopfhaut und auch keine Therapie-begleitenden Maßnahmen.

Dr. Lohse-Busch, Initiator und Hauptentwickler der TPS, referiert über Langzeitbeobachtungen

Auch wenn die Transkranielle Pulsstimulation nach ihrer Zulassung als weltweit erste physikalische Therapie zur Behandlung des zentralen Nervensystems bei Alzheimer-Demenz erst vor drei Jahren ihren Weg in die Kliniken und Praxen antrat, liegen doch bereits über 25 Forschung hinter ihr, innerhalb derer viele Proband*innen behandelt und Langzeit-beobachtet wurden. Dr. Lohse-Busch demonstrierte ausführlich Beobachtungen über mehrere Jahre hinweg bis hin zu einem Zeitraum von neun Jahren. Ohne hier in jegliche Details zu gehen, ist zusammenfassend zu sagen, dass Proband*innen/Patient*innen, die oft auch an anderen Erkrankungen wie z. B. Polyneuropathie leiden, durch eine regelmäßige Anwendung der Transkraniellen Pulsstimulation (TPS) kontinuierlich profitieren und der Erkrankungsstatus dauerhaft verbessert bzw. gehalten werden kann. Ausführlichere Informationen dazu werden wir in einem gesonderten Bericht veröffentlichen.

Transkranielle Pulsstimulation (TPS) in der Praxis – sehr gute subjektive und objektive Ergebnisse

Zentrales Thema des Webinars war jedoch natürlich die Transkranielle Pulsstimulation (TPS) in der Praxis. Hält sie, was die Forschung postuliert? Sind die guten Behandlungsergebnisse aus den Studien repetierbar, also wiederholbar? Kann die TPS tatsächlich eine Therapiemethode für Alzheimer-Patient*innen im Allgemeinen, also für jede/n Demenz-Patienten/Patientin sein? Die Antwort lautet deutlich: Ja.

Das Ehepaar Drs. Spieker, Leiter des Vitalhauses Achern in Baden-Württemberg, das seit vielen Jahren ein Stoßwellen-Kompetenzzentrum ist, kann mittlerweile auf über 300 Behandlungen zurückblicken, die sorgsam und ausführlich dokumentiert sind. Dr. med. Alfred Spieker berichtete seinen Kolleg*innen anhand einer anschaulichen PowerPoint-Präsentation die eindrucksvollen Ergebnisse, die wir hier kurz zusammenfassen wollen:

Bis dato behandelte man in Achern 23 Alzheimer-Betroffene, 23 an anderen Formen der Demenz erkrankte Personen sowie weiterhin bereits als „off-label-Therapie“ vier Parkinson-Patient*innen und eine Person mit Zustand nach Schlaganfall.

Im Bereich der Demenz-Erkrankungen nutzten die Drs. Spieker und ihr Team zur Evaluierung u. a. den sog. DemTect-Test (“Demenz Detection”), ein anerkanntes und in der Neurologie verbreitetes systemisches Screening-Verfahren, mit dem verschiedene kognitive Funktionen (z. B. Wahrnehmung, Lernen, Erinnerungsvermögen, Denkvermögen) untersucht und bewertet werden. Das beeindruckende Ergebnisse: Im Mittel erreichten 70% der Patient*innen in den Testverfahren eine deutliche Gesamtverbesserung. Der Score stieg durchschnittlich um satte 22%, also nahezu ein Viertel! Dies bedeutet, dass bei sieben von zehn Betroffenen deutliche Verbesserungen allein im Screening gezeigt werden konnten  – eine sehr hohe Erfolgsquote, wenn man nach den generellen Kriterien in der Medizin geht, ab wann eine Therapie/ein Medikament als erfolgreich gilt. Dort sind die Erfolgs-Quoten weit niedriger angesetzt.

Im Fazit: Bei 80% der behandelten Personen verbesserte die TPS den Erkrankungszustand deutlich

Doch nicht nur medizinische Testverfahren sind Kriterien für die Beurteilung eines Therapieerfolgs. Dr. Alfred Spieker: „Es geht nicht nur um die objektive Bewertung durch stringente Tests. Ebenso wichtig ist das subjektive Empfinden der Patient*innen und der Angehörigen. Wie steht es nach der Therapie mit dem Kurzeitgedächtnis, mit der Orientierung, dem Sprachvermögen? Dies eruieren wir in ausführlichen und individuellen Gesprächen mit den Familien vor und nach der Therapie und bleiben auch nach den Initial-Behandlungen sowie natürlich durch die Termine zu Auffrischungs-Behandlungen in Kontakt. Und das ist das Ergebnis: 80% der Menschen geht es nach der Therapie deutlich besser, bei manchen kann man schon fast von einem Wunder sprechen. Aber natürlich gibt es auch sogenannte Therapie-Versager, bei denen auch die TPS nicht hilft. Das sind meist Menschen, die schon in einem fortgeschrittenen Stadium sind und deren Angehörigen wir auch vor Therapiebeginn sagen: Man kann es nur versuchen, denn auch die TPS ist kein Allheilmittel und hat ihre Grenzen.“

Die Therapie-Verbesserungen im Ranking und die Nebendiagnose Depression

Am deutlichsten fielen die Verbesserungen des Allgemeinzustandes der Patient*innen in den Bereichen Gedächtnisleistung (hier vor allem das Kurzzeitgedächtnis), soziale Teilhabe und Sprachvermögen aus, gefolgt von Antriebssteigerung und Bewegungsaktivitäten. Auch die mentale Klarheit und die Ausgeglichenheit nahmen zu.

Eine weitere wichtige Komponente des Einflusses der Stoßwellen der TPS: Die Minderung der eine Demenz-Erkrankung oft begleitende Depression. Wie bereits in klinischen Studien belegt, konnten auch die Drs. Spieker feststellen, dass Demenz-assoziierte Depressionen durch die TPS gelindert werden können. Dr. Spieker: „Hier konnten wir alle, also die Patient*innen, die Angehörigen und andere Personen, feststellen, dass die Stimmung der Betroffenen besser wurde: Depressive Phasen lindern sich, die Lebensfreude steigt, die Integration in den Alltag erleichtert sich dadurch und schon verloren geglaubte Charaktereigenschaften wie Humor, Neugierde oder auch Temperament kehren zurück. Das alte „Ich“ taucht wieder auf, der Mensch wird wieder ein Stückchen mehr „ganz“.“

Im Mai 2022 ist das nächste Fach-Seminar geplant. Es steht zu hoffen, dass es dann nicht virtuell, sondern in Form eines ausführlichen Symposiums, bei dem die Teilnehmer einander in persona treffen, stattfinden kann.

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