Erfahrungsbericht 8 – Mittelgradige bis fortgeschrittene Alzheimer-Demenz

Erfahrungsbericht eines Patienten mit mittel- bis schwergradiger Demenz (Stadium 6 – Reisberg-Skala)

Die TPS ist sensationell – Wieso beschäftigen sich unsere Ärzte nicht damit?

Erfahrungsbericht 8 - Mittelgradige bis fortgeschrittene Alzheimer-Demenz
Die Vorgeschichte:
D. A. ist 72 Jahre alt und lebt mit seiner Familie in der Schweiz. Sein Leben lang hat er nur gearbeitet, seine Familie versorgt, nie Alkohol getrunken, nie geraucht. Wenn jemand Hilfe irgendeiner Art brauchte, dann war D. A. der erste zur Stelle. Er hat ein Helfersyndrom, könnte man sagen. Die große Familie ist sein Ein und Alles, er ist ein sanfter Mann und guter Vater, ein Bilderbuch-Papa, wie die Tochter erzählt, und er führt auch eine Bilderbuch-Ehe. Als er in Rente geht, kümmert er sich noch intensiver um seine Enkelkinder, sie machen viele Ausflüge und er läuft jeden Tag einige Kilometer – um der Gesundheit willen und weil es ihm einfach Spaß macht.

Mitten im Jahr 2019 wird das mit dem Laufen plötzlich weniger. Ehefrau und Tochter fragen nach. Er weicht aus, es sei zu kalt, es sei zu spät, er habe anderes zu tun. Irgendwann gesteht er: „Ich habe Angst, ich finde den Weg nicht mehr zurück nach Hause.“ Er beginnt, Alltägliches zu vergessen, Dinge zu verlegen, er steigt von der falschen Seite ins Auto ein. Und: Er beginnt, sich zurückzuziehen, wird einsilbiger, trauriger auch. Die Lebensfreude versiegt. Hier stimmt etwas nicht, die Familie ahnt es schon. Man geht zum Hausarzt.

Wir müssen Ihren Vater in eine Anstalt einweisen“ – die Familie sagt: Nein!

Schon beim Hausarzt wird klar: D. A. leidet an einer sich rasch entwickelnden Alzheimer-Demenz. Am besten sei es, ihn umgehend in eine geschlossene Anstalt einzuweisen, dort könne man genauer diagnostizieren und ihm mit Medikamenten und Therapien helfen, sagt der Hausarzt, etwas anderes könne man bei dieser Krankheit eben nicht machen. Die Familie ist entsetzt! Nein, kommt gar nicht infrage, den Vater in solch ein Krankenhaus abzuschieben. Der Schock sitzt tief, so tief, dass Familie A. einige Monate gar nichts tut, außer D. die verschriebenen Medikamente zu geben – doch die helfen nichts. Der Zustand von D. verschlimmert sich rasch: Er kann nicht mehr schlafen, nachts sieht er Leute durch die Wohnung laufen, die die Ehefrau nicht wahrnehmen kann, da sie eben nicht da sind. Er kann nicht mehr allein duschen, sich nicht mehr anziehen, seine Lebensfreude ist erloschen, er ist ein Schatten seiner selbst. Ende 2020 dann auch nach vielen Untersuchungen der eindeutige Befund durch den Neurologen: „Ja, das ist Alzheimer, geben Sie ihm diese Tabletten und kommen Sie in einem halben Jahr wieder.

Zuhause. A. D. sagt: „Ich hatte früher eine Ehefrau.“ Seine Frau steht vor ihm: „ Aber ich bin doch deine Frau!“ Und er antwortet: „Du siehst aber ganz anders aus. Meine Frau ist doch noch ganz jung.“ Er ist in der Vergangenheit, seine Frau und seine Tochter weinen. Was sollen sie tun? Die Tochter telefoniert mit Ärzten – „nein, finden Sie sich damit ab, da kann man nichts machen“. Sie durchforstet das Internet. Überall dasselbe: Alzheimer ist nicht heilbar, es gibt auch keine Therapie. Man soll die Medikamente vom Arzt geben, Ergo- und Musiktherapie könnten ein wenig helfen. Vor allem aber, auf den Seiten der Vereine: Spenden Sie! Wir unterstützen die Alzheimer-Forschung, bald wird ein Medikament da sein.

Tochter A. fällt in ein tiefes Loch, ist hoffnungslos. Sie steht selbst mitten im Leben, hat einen verantwortungsvollen Job mit zahlreichen Mitarbeitern, zuhause Mann und Kind und nun die verzweifelte Mutter samt dem immer mehr verblühenden Vater, der nicht mehr er selbst ist. Mittlerweile spricht er kaum noch, er kann nicht mehr mit Messer und Gabel essen, er sieht das Wasserglas vor sich auf dem Tisch nicht mehr, geschweige denn, dass er es halten und zum Mund führen könnte. Er nimmt kaum noch etwas wahr – er ist ganz weit weg.

November 2021: Tochter A. sieht den Beitrag auf RTL zur Transkraniellen Pulsstimulation

Ich dachte, ich sehe nicht richtig,“ berichtet Tochter A. im Gespräch. „Es soll eine Therapie geben? Wieso weiß ich nichts davon? Wieso wissen die Ärzte nichts davon?“ Sie geht sofort ins Internet, sie sucht nach Prof. Citak, den sie eben im Fernsehen gesehen hat. Tatsächlich: Wenn man nach ‚Transkranielle Pulsstimulation‘ sucht, dann findet man etwas, man findet sogar einiges – aber eben nur, wenn man den richtigen Suchbegriff kennt. Und sie findet auch Prof. Citak in Hamburg.

Nach einigen Vorgesprächen und Vorbereitungen fliegt Tochter A. mit ihrer Mutter und ihrem Vater nach Hamburg. „Ich habe nur noch gehofft und gebetet,“ erzählt sie. „Wird der Professor meinen Vater behandeln, ist es nicht schon zu spät?“. Es sieht nicht gut aus. In der Anamnese und beim MMS-Test sieht Prof. Citak, dass Herr A. eine weit mittelgradige, ja, eigentlich schon fortgeschrittene Alzheimer-Demenz hat. Die Frauen halten den Atem an. „Doch, wir wagen es,“ beschließt der Professor: „noch besteht eine Chance. Die wollen wir nutzen.“ Man beginnt mit der TPS-Therapie.

Schwyzerdütsch und Italienisch, Kaffee-Trinken und Sightseeing in Hamburg: Eine neue Etappe beginnt

Schon gegen Ende der ersten Behandlung beginnt D. A. plötzlich zu sprechen – zunächst auf Schwyzerdütsch (Schweizerdeutsch) und später auch auf Italienisch mit seiner Familie. Und so geht es weiter, von Behandlung zu Behandlung: D. A. blüht auf, er läuft mit Ehefrau und Tochter durch Hamburg. Er läuft allein, die Hand der Frau braucht er nicht mehr. Er spricht, nein, er erzählt, er macht wieder Witze, er zieht sich die Socken und die Schuhe wieder allein an, er hängt die Jacke wieder selbst an den Haken im Hotel. „Wollen wir Kaffee-Trinken gehen, Papa?“ fragt die Tochter. „Ja, natürlich,“ antwortet er. Im Café bestellt er selbst, er trinkt seinen Kaffee, er isst den Kuchen mit der Gabel. Von Tag zu Tag kehrt der Mensch mehr und mehr zurück, der D. A. früher einmal war.

Zuhause in der Schweiz empfängt der Rest der Familie jenen Vater, Großvater und Onkel, der er einst war. Sie machen Ausflüge wie in alten Zeiten, er zählt fehlerlos alle Autos inklusive Farbe auf, die er je im Leben gefahren hat, er ist wieder ganz bei sich und „voll dabei“. Er kann wieder mit den Enkelkindern spielen und seine Frau ist überglücklich – er ist wieder im Hier und Jetzt mit ihr verheiratet, nicht in der Vergangenheit, gemeinsam sind sie älter geworden.

Woran liegt es nur, dass so eine Therapie nicht überall bekannt ist und angewendet wird?

Dies fragt mich Tochter A. im Telefonat. Alle stellen diese Frage. Ich erkläre ihr, wie das mit den Zeitläuften der Studien und Zulassungen ist und dass eine Therapie, die eben  eine medizintechnische, physikalische ist und nicht aus der Pharmazie kommt, es schwer hat, wahrgenommen zu werden – gelinde und sehr vereinfacht gesagt.

Es ist einfach nicht zu fassen,“ sagt Tochter A. „,wenn ich diesen RTL-Bericht nicht gesehen hätte, dann hätten wir einfach zusehen müssen, wie Papa verfällt und wir hätten wohl bald an seinem Grab gestanden? Und wie uns geht es doch tausenden von Familien! Und unsere Ärzte sitzen da und  interessieren sich nicht. Und diese Verbände wollen Spenden von uns, anstatt uns zu beraten und zu helfen. Das ist eine verkehrte Welt! Bitte machen Sie weiter so, auch wir werden jedem von der TPS erzählen. Dass die Krankenkassen die Kosten nicht übernehmen, ist uns übrigens egal. Wie oft zahlen Leute, ohne mit der Wimper zu zucken € 3.000,00 Euro, für einen Urlaub, für eine neue Couch. Aber nein, Medizin darf ja nichts kosten. Wenn es die Kasse nicht zahlt, ist es keine gute Therapie. Das Gegenteil ist der Fall: Diese Therapie ist unbezahlbar! Und danke an Prof. Citak: Er ist ein wunderbarer, mutiger und kompetenter Arzt. Dafür reisen wir gerne von der Schweiz nach Hamburg.

Familie A. wird bald wieder in Hamburg sein und wir werden weiter über den Verlauf von Herrn D. A. berichten.

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