
Studien belegen zunehmend die Erfahrungen mit der TPS bei Parkinson in der täglichen Praxis: Warum neue, gut verträgliche Therapieansätze dringend gebraucht werden
Morbus Parkinson zählt weltweit zu den am schnellsten zunehmenden neurodegenerativen Erkrankungen. Millionen Menschen sind betroffen – mit steigender Tendenz. Die Erkrankung geht weit über das bekannte Zittern (Tremor) hinaus: Bewegungsstörungen, kognitive Einschränkungen, Schlafprobleme, Depressionen und ein deutlicher Verlust an Lebensqualität prägen für viele Betroffene den Alltag. Zwar bleiben Medikamente wie Levodopa ein zentraler Bestandteil der Therapie, doch ihre Wirksamkeit lässt bei vielen Patienten im zeitlichen Verlauf nach, während Nebenwirkungen und motorische Fluktuationen zunehmen. Vor diesem Hintergrund rücken ergänzende, gut verträgliche Therapieansätze wie das Neuromodulations-Verfahren Transkranielle Pulsstimulation (TPS) immer stärker in den Fokus der Forschung – auch an so renommierten Institutionen wie der Harvard Medical School, Boston, USA, eine der besten und angesehensten medizinischen Fakultäten der Welt, oft auf Platz 1 in globalen Rankings. Dass man dort mittlerweile ebenfalls an der TPS forscht, zeigt die zunehmende Relevanz der TPS-Methode in Hinblick auf dringend notwendige – und eben mit der TPS möglich gewordene – neue Wege in Neurologie und Psychiatrie.
Nicht-invasive Hirnstimulation (NIBS) etabliert sich zunehmend in Neurologie und Psychiatrie
In den vergangenen Jahren hat sich international generell ein wachsendes Interesse an nicht-invasiven Hirnstimulationsverfahren entwickelt, die eine neue Ära beziehungsweise eine deutliche Erweiterung der heutigen (und zukünftigen) medizinischen Möglichkeiten bilden. Ziel der NIBS ist es, krankhaft veränderte neuronale Netzwerke gezielt zu modulieren, ohne dass Operationen, Narkosen oder Implantate eingesetzt werden müssen. Neben Verfahren wie transkranieller Magnet- oder Gleichstromstimulation wird allerdings vor allem die Transkranielle Pulsstimulation (TPS) untersucht, da diese Methode mit nur wenigen notwendigen Therapiesitzungen höchst effizient und für die Patienten einfach und rein ambulant durchführbar ist.
Transkranielle Pulsstimulation (TPS): Eine führende Methode mit wachsender wissenschaftlicher Basis
Die Transkranielle Pulsstimulation (TPS) gehört zur Gruppe dieser nicht-invasiven Neuromodulationsverfahren. Sie nutzt ultrakurze, niedrigenergetische Stoßwellenimpulse, die navigationsgestützt auf bestimmte Hirnareale gerichtet werden. Ziel ist es, neuroplastische Prozesse anzuregen und gestörte neuronale Netzwerke neu zu modulieren. Die Methode ist bereits aus der Alzheimer-Forschung bekannt, wo sie in zahlreichen Studien – und auch in der stetig zunehmenden Anzahl von Kliniken und Praxen, die mit der TPS arbeiten – deutliche Verbesserungen kognitiver Funktionen zeigt. In den letzten Jahren wächst nun auch das Studienaufkommen zu Parkinson.
Harvard Medical School publiziert TPS-Studie im Journal of Neurology: Warum diese Studie besonders ist
Nun liegt also eine weitere klinische Pilot-Studie vor, die der TPS bei Parkinson besonderes Gewicht verleiht. Durchgeführt wurde sie am Spaulding Neuromodulation Center und am Massachusetts General Hospital in Zusammenarbeit mit der Harvard Medical School und im renommierten Journal of Neurology bei Springer Nature publiziert – einem Organ, das für höchste wissenschaftliche Standards steht.
So wurde die Studie durchgeführt: 12 TPS-Sitzungen, mehrere Messzeitpunkte, EEG-Begleitung
In der prospektiven, offenen Pilotstudie wurden Probanden mit Morbus Parkinson über einen Zeitraum von vier Wochen behandelt. Alle Teilnehmenden erhielten insgesamt zwölf TPS-Sitzungen. Die Stimulation erfolgte navigationsgestützt und zielte sowohl auf motorische als auch auf symptomrelevante kortikale Areale ab. Die klinischen Effekte wurden nicht nur zu Beginn und am Ende der Behandlung erfasst, sondern mehrfach während des Therapiezeitraums sowie einen Monat nach Abschluss der Behandlung. Zusätzlich wurden EEG-Messungen durchgeführt, um Veränderungen der Gehirnaktivität zu dokumentieren.
Das Ergebnis der TPS bei Parkinson: Deutliche Verbesserungen in der Motorik – und darüber hinaus
Die Ergebnisse zeigen – wie zuvor publizierte Studien und Untersuchungen auch – signifikante und konsistente Verbesserungen in den zentralen klinischen Bewertungsbereichen. Besonders deutlich war die Reduktion der motorischen Symptome, gemessen mit der etablierten Unified Parkinson’s Disease Rating Scale (UPDRS). Die Verbesserungen erreichten nicht nur statistische Signifikanz, sondern überschritten auch die Schwelle der klinischen Relevanz – ein entscheidender Punkt für die Einordnung der Ergebnisse.
Nicht-motorische Symptome, Kognition und Lebensqualität profitieren ebenfalls
Bemerkenswert ist, dass sich die Effekte der TPS nicht auf motorische Symptome beschränkten. Auch nicht-motorische Beschwerden nahmen deutlich ab. Kognitive Leistungen verbesserten sich messbar, ebenso depressive Symptome, Schlafqualität und allgemeine Lebensqualität. Gerade diese nicht-motorischen Aspekte werden von Betroffenen häufig als besonders belastend erlebt und sprechen oft weniger gut auf medikamentöse Therapien an.
Die Effekte der TPS hielten nicht nur an, sondern nahmen im Laufe der Zeit teils weiter zu
Ein weiterer zentraler Befund der Studie ist der zeitliche Verlauf der Verbesserungen. Die positiven Effekte traten nicht nur während der Behandlungsphase auf, sondern hielten auch einen Monat nach Therapieende an. In einzelnen Bereichen zeigten sich die stärksten Verbesserungen sogar erst im Nachbeobachtungszeitraum. Dies deutet darauf hin, dass die TPS neuroplastische Prozesse anstößt, die über den unmittelbaren Behandlungszeitraum hinauswirken.
Ein wichtiger Aspekt: Die Sicherheit und gute Verträglichkeit der TPS auch in dieser Studie
Besonders hervorzuheben ist einmal mehr die sehr gute Verträglichkeit der Behandlung. In der Harvard-Studie berichteten 95,5 Prozent der Teilnehmenden über keinerlei negative Erlebnisse im Zusammenhang mit der TPS. Relevante Nebenwirkungen traten nicht auf. Angesichts der bekannten Nebenwirkungsprofile vieler Parkinson-Medikamente ist dies ein Aspekt von hoher praktischer Bedeutung.
Praxis trifft Forschung: Klinische Erfahrung und systematische Umfrageergebnisse zur TPS bei Parkinson
Dass sich die in der Harvard-Studie und anderen Untersuchungen beobachteten Effekte auch im klinischen Alltag widerspiegeln, zeigen nicht nur einzelne Fallbeispiele, sondern auch systematisch erhobene Daten aus der Versorgungspraxis. Neben langjährigen Beobachtungen in spezialisierten Kliniken und Praxen zeigten bereits im Jahr 2023 die Ergebnisse einer Umfrage unter TPS-Anwendern im deutschsprachigen Raum, wie sehr die Transkranielle Pulsstimulation (TPS) Parkinson-Patienten unterstützen kann.
In dieser Umfrage wurden die Verläufe von insgesamt 39 Parkinson-Patientinnen und -Patienten ausgewertet. Das Ergebnis ist bemerkenswert: Rund 80 Prozent der behandelten Betroffenen profitierten in unterschiedlichem Ausmaß von der TPS-Therapie. Besonders auffällig waren die Verbesserungen gerade bei mittelgradigen und schweren Krankheitsstadien! Besonders relevant für Betroffene war auch hier ein weiterer Befund: In der Umfrage wurden keine nennenswerten Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der TPS berichtet. Die Therapie erwies sich auch im Praxisalltag als gut verträglich (siehe hierzu auch: Ermutigende Daten zu Parkinson).
Ergänzend dazu gibt es natürlich auch Langzeiterfahrungen einzelner Betroffener. So berichtet ein Parkinson-Patient, der seit 2021 regelmäßig mit TPS behandelt wird, dass es ihm heute – fast fünf Jahre später – besser geht als zum Zeitpunkt der Diagnose. Solche Erfahrungsberichte ersetzen keine klinischen Studien, geben den wissenschaftlichen Ergebnissen jedoch einen wichtigen realweltlichen Kontext (siehe hierzu: Transkranielle Pulsstimulation (TPS) bei Parkinson: Patient seit über 4 Jahren symptomfrei).
Fazit: Parkinson als zunehmend belegte Indikation für die Transkranielle Pulsstimulation (TPS)
Die neue Harvard-Studie markiert also einen weiteren wichtigen Schritt in der Erforschung der Transkraniellen Pulsstimulation bei Morbus Parkinson. Sie zeigt klinisch relevante Verbesserungen in motorischen und nicht-motorischen Symptomen, eine anhaltende Wirkung über die Behandlungsphase hinaus und eine außergewöhnlich gute Verträglichkeit. Damit verdichten sich die Hinweise, dass Parkinson eine zunehmend belegte Indikation für die TPS darstellt – als ergänzende, nicht-invasive Therapieoption in einem Bereich, in dem neue, gut verträgliche Ansätze dringend benötigt werden. Harvard und andere renommierte Institutionen erforschen die TPS weiterhin.
Gerade für jene Betroffenen, die trotz leitliniengerechter Medikation weiterhin unter erheblichen Symptomen leiden oder starke Nebenwirkungen in Kauf nehmen müssen, kann das nicht-invasive Verfahren Transkranielle Pulsstimulation (TPS) bereits jetzt als „off-label“-Therapie eine wichtige zusätzliche Option darstellen.
Gleichzeitig wird zunehmend deutlich, dass innovative, gut verträgliche Ansätze nicht nur individuelles Leid lindern, sondern auch eine gesellschaftliche Dimension haben: Jede Verzögerung von Pflegebedürftigkeit und jeder Erhalt von Lebensqualität wirkt sich langfristig auch auf unsere angespannten Gesundheitssysteme aus. Forschung, die diesen Weg aufzeigt, verdient Aufmerksamkeit und zwar von Ärzten, Krankenkassen und Medien gleichermaßen.
Link zur Harvard-Studie:
https://link.springer.com/article/10.1007/s00415-025-13558-3

