Schützt Kaffee vor Demenz? Große Langzeitstudie liefert klare Hinweise

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Kaffee, Demenzrisiko und kognitive Gesundheit: Was die aktuelle Forschung zur Demenz-Prävention mit Kaffee zeigt

Gleich die gute Nachricht zur Demenz-Prävention durch unseren allseits geliebten Kaffee: Eine große Langzeitstudie mit über 130.000 Teilnehmern zeigt, dass der regelmäßige Konsum von koffeinhaltigem Kaffee mit einem geringeren Demenzrisiko verbunden sein kann. Konkret lag das Risiko in der Gruppe mit dem höchsten Kaffeekonsum um etwa 18 Prozent niedriger als bei Menschen, die keinen Kaffee tranken. Gleichzeitig wurden weniger subjektive Gedächtnisprobleme und teilweise bessere kognitive Leistungen beobachtet. Das klingt zunächst erstaunlich – vielleicht sogar zu einfach. Doch genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf diese Studie, die bereits seit Jahrzehnten an US-Eliteuniversitäten – insbesondere Harvard – durchgeführt wird. Harvard (an der übrigens auch zur Transkraniellen Pulsstimulation bei Morbus Parkinson geforscht wird – siehe hierzu: Neue Pilot-Studie aus Harvard zeigt deutliche Verbesserungen bei Parkinson) als Goldstandard in der Ernährungs- und Präventionsforschung.

Kaffee-Konsum über Jahrzehnte hinweg beobachtet: Warum diese Studie besonders belastbar ist

Was diese Untersuchung besonders macht, ist nicht nur die äußerst große Teilnehmerzahl, sondern vor allem der außergewöhnlich lange Beobachtungszeitraum. Über mehrere Jahrzehnte hinweg wurden die Probanden immer wieder zu ihren Ernährungsgewohnheiten befragt und gleichzeitig hinsichtlich ihrer kognitiven Entwicklung untersucht. Auf diese Weise entstand ein Datensatz, der Veränderungen nicht nur punktuell, sondern im Verlauf eines großen Teils des Lebens abbildet.

Hinzu kommt, dass die Erhebung der Daten regelmäßig aktualisiert wurde und nicht – wie in vielen anderen Studien – nur zu Beginn stattfand. Dadurch lassen sich Entwicklungen wesentlich genauer nachvollziehen. Gerade in der Demenzforschung, in der Prozesse oft über viele Jahre im Verborgenen ablaufen, ist diese Langzeitperspektive von besonderer Bedeutung.

Moderater Kaffeekonsum scheint besonders relevant zu sein, um Demenz vorzubeugen

Ein besonders interessanter Aspekt der Ergebnisse ist die Dosis. Der Zusammenhang zeigte sich vor allem bei einem moderaten Konsum. Im Bereich von etwa zwei bis vier Tassen täglich war der Effekt am deutlichsten ausgeprägt.

Zu wenig wiederum scheint keinen Unterschied zu machen und auch ein zu viel bringt offenbar keinen zusätzlichen Vorteil. Wie so oft in der Prävention liegt die Wirkung nicht im Extrem, sondern im Gleichgewicht.

Warum Koffein eine Schlüsselrolle in der Demenz-Prävention spielen könnte

Ein entscheidender Hinweis der Studie liegt in einem scheinbar kleinen Detail: Entkoffeinierter Kaffee zeigte nämlich keinen vergleichbaren Zusammenhang mit dem Demenzrisiko. Das lenkt den Blick auf das Koffein selbst. Das lenkt den Blick auf das Koffein selbst. Koffein ist ein natürlich vorkommender Pflanzenstoff aus der Gruppe der sogenannten Methylxanthine. Er wirkt im Körper vor allem als Stimulans, indem er bestimmte Botenstoffe im Gehirn beeinflusst und die Aktivität von Nervenzellen steigert. Viele Menschen kennen diese Wirkung aus dem Alltag als gesteigerte Wachheit und Konzentration.

In der wissenschaftlichen Diskussion werden verschiedene Mechanismen beschrieben, die erklären könnten, warum koffeinhaltiger Kaffee mit kognitiver Gesundheit in Verbindung steht. Dazu gehören Einflüsse auf entzündliche Prozesse im Gehirn, auf den Energiestoffwechsel der Nervenzellen und auf die Bildung bestimmter Eiweißablagerungen, die bei neurodegenerativen Erkrankungen eine Rolle spielen. Auch andere Inhaltsstoffe des Kaffees, etwa antioxidativ wirkende Pflanzenstoffe, könnten zu diesen Effekten beitragen.

Zwischen Zusammenhang und Ursache: Die Grenzen der Studie und weitere Verbindungen zum Lebensstil per se

Doch so erfreulich und überzeugend die Daten auch wirken, so haben sie doch eine klare Grenze beziehungsweise führen zu einer Fragestellung, die nur jeder für sich selbst beantworten kann. Denn die Studie zeigt einen Zusammenhang – aber sie kann keinen direkten Beweis für eine Ursache führen.

Denn Menschen, die regelmäßig Kaffee trinken, unterscheiden sich möglicherweise auch in anderen Bereichen ihres Lebensstils. Sie ernähren sich anders, bewegen sich mehr, haben ein anderes Gesundheitsbewusstsein, vielleicht sind sie auch sozial aktiver oder haben eine optimistischere Lebenseinstellung? All das kann die Ergebnisse beeinflussen. Genau deshalb werden solche Studien in der Wissenschaft vorsichtig interpretiert.

Kaffee als Teil eines größeren Bildes der Demenz-Prävention

Dennoch fügen sich die Ergebnisse in ein wachsendes Gesamtbild ein. Die Forschung zeigt jedenfalls zunehmend, dass Demenz nicht plötzlich entsteht, sondern das Ergebnis langfristiger Prozesse ist. Auch wissen wir heute: Unsere Lebensstilfaktoren spielen dabei eine entscheidende Rolle, wir sind nicht – wie früher vermutet – auf Gedeih und Verderb dahingehend ausgeliefert, dass ein Mensch irgendwann an einer Alzheimer-Erkrankung oder einer anderen Form der Demenz erkrankt.

Ernährung, Bewegung, Stoffwechselgesundheit und Entzündungsprozesse greifen ineinander. Kaffee könnte in diesem komplexen Zusammenspiel ein weiterer Baustein sein – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Kaffee und andere eigenverantwortliche Präventions-Maßnahmen:  Kleine Gewohnheiten, große Wirkungen

Die große Langzeitstudie legt nahe, dass moderater Kaffeekonsum mit einem geringeren Demenzrisiko und einer stabileren kognitiven Entwicklung verbunden sein kann. Die eigentliche Erkenntnis geht jedoch darüber hinaus. Sie zeigt, wie stark alltägliche Gewohnheiten mit unserer langfristigen Gehirngesundheit verknüpft sind.

Wer seinen Kaffee gerne trinkt, kann ihn jetzt jedenfalls noch ein wenig bewusster genießen – und darf das guten Gewissens tun. Denn was lange Zeit kritisch betrachtet wurde, zeigt sich in der aktuellen Forschung deutlich differenzierter: Schaden scheint moderater Kaffeekonsum jedenfalls nicht, ganz im Gegenteil.

Quelle:

https://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/2844764

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