
Immer mehr Studien, neue Register und tausende behandelte Alzheimer-Patienten zeigen: Die TPS-Therapie entwickelt sich vom innovativen Forschungsansatz zu einem der spannendsten Gebiete moderner Neurologie.
Wer heute die internationale Forschung zur Neuromodulation verfolgt, etwa zur Behandlung von Alzheimer-Demenz, Parkinson oder auch Depressionen, Autismus und ADHS, erlebt derzeit eine äußerst dynamische Entwicklung. Fast im Monatsrhythmus werden neue Studien veröffentlicht, weitere Forschungsprojekte registriert oder zusätzliche Anwendungsgebiete erschlossen. Universitäten, Kliniken und Forschungszentren weltweit beschäftigen sich längst nicht mehr nur mit mittlerweile schon klassischen Verfahren wie der Magnetstimulation, sondern zunehmend auch mit neuen Formen der gezielten Hirnstimulation. Besonders viel Aufmerksamkeit richtet sich dabei auf das Stoßwellen-Verfahren Transkranielle Pulsstimulation (TPS), die in unseren Breitengraden wohl bekannteste Form der nicht-invasiven Hirnstimulation (NIBS).
Die wachsende Evidenz der Neuromodulation eröffnet neue Perspektiven für die Behandlung neurologischer Erkrankungen
Unter Neuromodulation versteht man dabei jedoch keineswegs ein einzelnes Therapieverfahren, sondern ein wachsendes wissenschaftliches Forschungsgebiet. Der Begriff beschreibt alle medizinischen Methoden, mit denen sich die Aktivität des Nervensystems gezielt beeinflussen lässt. Die Neurostimulation bildet wiederum einen Teilbereich der Neuromodulation und arbeitet beispielsweise mit elektrischen, magnetischen oder mechanischen Impulsen. Gemeinsam verfolgen diese Verfahren ein Ziel: die natürlichen Fähigkeiten des Gehirns zur Anpassung, Vernetzung und Regeneration therapeutisch zu unterstützen. Dadurch entstehen völlig neue Ansatzpunkte für Therapien, die das Gehirn nicht ausschließlich biochemisch, sondern auch über seine biologisch-physikalischen Funktionsprinzipien erreichen können, wobei die niedrigenergetischen Stoßwellen der Transkranielle Pulsstimulation (TPS) besonders tief in das Gehirn eindringen und dort äußerst präzise agieren können. Dies macht das Verfahren einzigartig und erklärt die besonders guten Therapieerfolge sowie deren zunehmende Verbreitung.
Denn während die TPS-Therapie vor wenigen Jahren noch ausschließlich in einigen spezialisierten Zentren bekannt war, ist daraus inzwischen eine internationale Forschungslandschaft entstanden und für Patienten stehen mittlerweile über 250 Universitätskrankenhäuser, Kliniken und spezialisierte Praxen zur Verfügung. Auch laufen derzeit etliche weitere klinische Studien zur TPS, unter anderem zu Alzheimer-Demenz, Parkinson, Depression, Long Covid und Aufmerksamkeitsstörungen. Gleichzeitig entstehen Registerstudien und neue digitale Biomarker, mit denen sich Behandlungserfolge künftig noch präziser und evidenzbasierter dokumentieren lassen.
Die wachsende Evidenz zur Transkraniellen Pulsstimulation (TPS) eröffnet neue Perspektiven für die Behandlung neurologischer Erkrankungen
Die internationale Forschung zur TPS wächst dabei nicht nur in ihrer Breite, sondern auch in ihrer wissenschaftlichen Bedeutung. So untersuchen heute renommierte Einrichtungen wie die Medizinische Universität Wien, die Chinese University of Hong Kong, die Universität Hongkong, die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, die Universität São Paulo sowie das zur Harvard Medical School gehörende Spaulding Rehabilitation Hospital den Einsatz der Transkraniellen Pulsstimulation bei unterschiedlichen neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen. Neben offenen Pilotstudien laufen heute zunehmend randomisierte, Placebo-kontrollierte Untersuchungen sowie multizentrische Registerstudien, die den klinischen Alltag über viele Behandlungszentren hinweg dokumentieren. Damit verbreitert sich die Evidenzbasis kontinuierlich – ein entscheidender Schritt auf dem Weg von den ersten klinischen Erfahrungen hin zu einer evidenzbasierten Bewertung des Verfahrens.
Ein gutes Beispiel dafür liefert die derzeit laufende Studie der Universität Hongkong, in der insgesamt 180 Teilnehmer untersucht werden. Sie ist damit die bislang größte registrierte TPS-Studie überhaupt und vergleicht die Transkranielle Pulsstimulation direkt mit Neurofeedback bei Menschen mit Aufmerksamkeitsstörungen. Ziel ist es, die Wirksamkeit beider Verfahren unter standardisierten Bedingungen miteinander zu vergleichen.
Auch die Medizinische Universität Wien setzt auf eine große, methodisch hochwertige Untersuchung. In einer randomisierten, doppelblinden und Placebo-kontrollierten Studie werden 102 Patienten mit neurologischen Long-Covid-Beschwerden behandelt und über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren nachbeobachtet. Im Mittelpunkt stehen Fatigue, Brain fog, kognitive Einschränkungen und Stimmungslage – Beschwerden, die viele Betroffene noch lange nach einer Covid-Infektion erheblich belasten.
Den größten Erfahrungsschatz besitzt die TPS-Forschung jedoch weiterhin im Bereich der Alzheimer-Demenz. Hier konnten bereits mehrere klinische Studien zeigen, dass die Transkranielle Pulsstimulation kognitive Leistungen verbessern, depressive Begleitsymptome reduzieren und gleichzeitig Veränderungen der funktionellen Hirnnetzwerke nachweisen kann. Besonders bedeutsam war dabei die erste randomisierte, Placebo-kontrollierte Studie, die zusätzlich Hinweise auf eine erhöhte funktionelle Aktivierung bestimmter Hirnregionen sowie eine verbesserte neuronale Vernetzung lieferte. Parallel arbeiten Forscher inzwischen an völlig neuen digitalen Biomarkern, beispielsweise auf Basis spontaner Sprachmuster, um Behandlungserfolge künftig noch objektiver und alltagsnäher erfassen zu können.
Erfahrungen aus der Praxis bestätigen die Entwicklung der wissenschaftlichen Evidenz
Neben den internationalen Studien liefert längst auch der klinische Alltag wertvolle Erkenntnisse. Eine aktuelle Umfrage unter 33 TPS-Zentren zeigt, dass allein im Jahr 2025 insgesamt 785 Patienten mit Alzheimer-Demenz in mehr als 17.690 Behandlungssitzungen mit TPS behandelt wurden. Weltweit wurden damit inzwischen rund 290.000 TPS-Sitzungen bei Alzheimer-Patienten durchgeführt. Hinzu kommen die „off-label“-Behandlungen bei Morbus Parkinson, Autismus, Long-Covid, ADHS und Depression.
Zudem zeigt sich die hohe Übereinstimmung der Zentren hinsichtlich der Behandlungskonzepte. Die große Mehrheit orientiert sich am empfohlenen TPS-Protokoll mit sechs Initialbehandlungen á ca. 30 Minuten und regelmäßigen, einzelnen Auffrischungssitzungen. Gleichzeitig spiegeln die Rückmeldungen der behandelnden Ärzte weitgehend die Ergebnisse der bisher veröffentlichten Studien wider: Die überwiegende Zahl der Zentren berichtete über gute bis sehr gute klinische Verbesserungen bei ihren Patienten – bei keinem einzigen Fall verschlechterte sich der Krankheitszustand, was schon für sich genommen ein großer Fortschritt ist, da die Alzheimer-Krankheit nach konventioneller Betrachtung bis heute als nicht aufhaltbar gilt. Ebenso wichtig ist: als sehr seltene Nebenwirkung wird nur vorübergehender, leichter Kopfschmerz genannt, der sich nach kurzer Zeit von selbst legt. Diese Daten ersetzen zwar keine randomisierten Studien, aber sie ergänzen die wachsende Evidenz um wertvolle Erfahrungen aus der täglichen Versorgung.
Transkranielle Pulsstimulation (TPS): Von der Innovation zur etablierten Ergänzung moderner Therapiekonzepte
Wenn sich diese Entwicklung weiterhin so fortsetzt – und davon ist auszugehen – , könnte sich die TPS schon in den kommenden Jahren als evidenzbasierte additive Behandlungsmöglichkeit neben medikamentösen und weiteren therapeutischen Maßnahmen zunehmend in Kliniken und Praxen etablieren. Für Menschen mit Alzheimer-Demenz und anderen neurologischen Erkrankungen würde dies bedeuten, dass ihnen künftig zusätzliche, nicht-invasive Therapieoptionen zur Verfügung stehen, die ihr Leben mit diesen Erkrankungen deutlich erleichtern können – ohne relevante Nebenwirkungen und rein ambulant.
Aktuell laufende klinische Studien zur Transkraniellen Pulsstimulation (TPS):
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf: German Registry of Alzheimer’s Disease Treated With Transcranial Pulse Stimulation (GE-R-A-TPS)
Mit dem deutschen multizentrischen Alzheimer-Register GE-R-A-TPS entsteht erstmals eine systematische Erfassung von Patienten, die im klinischen Alltag mit Transkranieller Pulsstimulation (TPS) behandelt werden. Unter der Leitung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf werden Daten aus mehreren spezialisierten Zentren zusammengeführt, um Sicherheit, Anwendbarkeit und klinische Wirksamkeit der TPS unter realen Versorgungsbedingungen zu dokumentieren. Die prospektive Registerstudie soll außerdem dazu beitragen, Behandlungsprotokolle weiter zu optimieren und die Evidenz für den klinischen Einsatz der TPS kontinuierlich zu erweitern.
Studienregister: https://clinicaltrials.gov/study/NCT06313944
Chinese University of Hong Kong (2025): Transcranial Pulse Stimulation for Alzheimer’s Disease (TPS)
Diese randomisierte, Placebo-kontrollierte Phase-2-Studie untersucht die Wirksamkeit der Transkraniellen Pulsstimulation bei Patienten mit früher Alzheimer-Demenz. Neben kognitiven Tests werden auch neuropsychiatrische Symptome, die Hirnaktivität mittels Nahinfrarotspektroskopie (fNIRS) sowie Blut-Biomarker erfasst. Ziel ist es, die Evidenz für den Einsatz der TPS bei Alzheimer weiter zu stärken und die Grundlage für größere multizentrische Studien zu schaffen.
Studienregister: https://clinicaltrials.gov/study/NCT07143734
Spaulding Rehabilitation Hospital / Harvard Medical School: Effects of Transcranial Pulse Stimulation in Parkinson’s Disease
Mit dieser Studie beteiligt sich erstmals das renommierte Spaulding Rehabilitation Hospital der Harvard Medical School an der klinischen Erforschung der Transkraniellen Pulsstimulation (TPS) bei Morbus Parkinson. Untersucht werden nicht nur die klassischen motorischen Symptome, sondern auch Kognition, Stimmung, Fatigue, Gangstörungen sowie Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns. Ziel ist es, die Sicherheit, Durchführbarkeit und den möglichen klinischen Nutzen der TPS bei Parkinson systematisch zu bewerten.
Studienregister: https://clinicaltrials.gov/study/NCT06676995
The Hong Kong Polytechnic University: Transcranial Pulse Stimulation for Depression
Mit dieser randomisierten, doppelblinden und Sham-kontrollierten Studie untersucht die Hong Kong Polytechnic University den Einsatz der Transkraniellen Pulsstimulation (TPS) bei Major Depression. Insgesamt nehmen 80 Patienten teil. Im Mittelpunkt stehen die Wirksamkeit der TPS als ergänzende Behandlung, Veränderungen der depressiven Symptomatik sowie objektive MRT-Untersuchungen zur Analyse möglicher Veränderungen der Hirnaktivität. Die Studie zählt zu den methodisch hochwertigsten TPS-Projekten im psychiatrischen Bereich und soll die Evidenz für den Einsatz der Neuromodulation bei Depressionen weiter stärken.
Studienregister: https://clinicaltrials.gov/study/NCT05551585
The University of Hong Kong: Effects of Neurofeedback and Transcranial Pulse Stimulation on Attention
Mit 180 Teilnehmern zählt diese Studie derzeit zu den weltweit größten klinischen Untersuchungen zur Transkraniellen Pulsstimulation (TPS). Die Universität Hongkong vergleicht die Wirksamkeit der TPS erstmals direkt mit Neurofeedback, einem etablierten Verfahren der Neuromodulation. Im Mittelpunkt stehen Aufmerksamkeit, Konzentration, Arbeitsgedächtnis und weitere neuropsychologische Funktionen. Die Studie soll wichtige Erkenntnisse darüber liefern, welchen Stellenwert die TPS künftig innerhalb evidenzbasierter neuromodulativer Therapiekonzepte einnehmen könnte.
Studienregister: https://clinicaltrials.gov/study/NCT05834920
The University of Hong Kong: Long Term Transcranial Pulse Stimulation (TPS) in Older Adults With Mild Neurocognitive Disorder (NCD)
Diese Studie untersucht erstmals die Langzeitwirkung der Transkraniellen Pulsstimulation (TPS) bei älteren Menschen mit leichter neurokognitiver Störung (Mild Neurocognitive Disorder, MCI). Über einen Zeitraum von 24 Wochen erhalten die Teilnehmer insgesamt 32 TPS-Behandlungen. Im Mittelpunkt stehen Veränderungen der Gedächtnisleistung, der globalen Kognition, der Hirnstruktur sowie der Alltagsfunktionen. Die Studie baut auf einer erfolgreichen Pilotuntersuchung derselben Arbeitsgruppe auf und soll zeigen, ob sich die positiven Effekte einer längerfristigen TPS-Behandlung weiter verstärken und dauerhaft stabilisieren lassen.
Studienregister: https://clinicaltrials.gov/study/NCT05602467
University of São Paulo General Hospital: Non-invasive Brain Stimulation by Transcranial Pulse Stimulation as a Coadjunctive Treatment in Alzheimer’s Disease
Diese randomisierte, doppelblinde und Placebo-kontrollierte Studie der Universität São Paulo untersucht die Transkranielle Pulsstimulation (TPS) als ergänzende Behandlung bei Alzheimer-Demenz. Insgesamt werden 50 Patienten über zehn TPS-Sitzungen behandelt. Neben der kognitiven Leistungsfähigkeit werden auch funktionelle Einschränkungen sowie bildgebende Untersuchungen einbezogen, um den klinischen Nutzen der TPS umfassend und evidenzbasiert zu bewerten.
Studienregister: https://clinicaltrials.gov/study/NCT05762926
Medizinische Universität Wien: Transcranial Pulse Stimulation (TPS) in Post-COVID-19
Diese prospektive, randomisierte, Placebo-kontrollierte und vierfach verblindete Studie der Medizinischen Universität Wien untersucht die Wirksamkeit der Transkraniellen Pulsstimulation (TPS) bei 102 Patienten mit neurologischen Post-COVID-Beschwerden. Im Mittelpunkt stehen Fatigue, kognitive Einschränkungen und Stimmungslage. Ergänzend werden umfangreiche neuropsychologische Untersuchungen sowie MRT-Aufnahmen durchgeführt, um mögliche Veränderungen der Hirnfunktion objektiv zu erfassen. Durch Nachuntersuchungen über einen Zeitraum von bis zu 24 Monaten gehört die Studie zu den bislang umfangreichsten TPS-Projekten weltweit.
Studienregister: https://clinicaltrials.gov/study/NCT06178952

