
Lithium, Gehirngesundheit und Alzheimer: Ein Wissenschaftler stellt den medizinischen Status quo infrage
Lithium kennt man in der Medizin bislang vor allem als Therapeutikum aus der Psychiatrie – eingesetzt unter anderem bei bipolaren Störungen oder schweren Depressionen – und dies in hohen Dosierungen, die aufgrund der geringen therapeutischen Breite ärztlich überwacht werden müssen. Weitaus weniger bekannt ist, dass Lithium als natürliches Spurenelement in Gesteinen, Böden und Wasser vorkommt und dadurch über Trinkwasser und Lebensmittel natürlicherweise in unseren Organismus gelangt. Welche physiologische Bedeutung das Spurenelement besitzt, wird seit Jahren wissenschaftlich intensiv diskutiert.
Jemand, der diese Diskussion mit großer Vehemenz vorantreibt und für die präventive Versorgung der Bevölkerung mit Lithium plädiert, ist Privatdozent Dr. med. Michael Nehls. Der Arzt und habilitierte Molekulargenetiker forscht und publiziert seit Jahrzehnten zu den biologischen Grundlagen von Gesundheit und Krankheit. Er beschäftigt sich insbesondere mit der Frage, wie Alzheimer entsteht und welche Rolle Lebensstil und Mikronährstoffversorgung dabei spielen.
Nehls vertritt seit vielen Jahren die Auffassung, dass Lithium für den Menschen ein essentielles Spurenelement sei und als solches dringend offiziell anerkannt werden müsse. Einen weit verbreiteten Lithiummangel sieht er als einen bislang unterschätzten Faktor unter anderem bei der Entstehung von Alzheimer-Demenz, aber auch bei Depressionen und weiteren neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen. Seine Thesen hat er mittlerweile in zahlreichen Büchern, die allesamt Bestseller geworden sind, publiziert und im Juni 2025 einen Vortrag im Europäischen Parlament in Straßburg gehalten.
Dennoch stößt Nehls, dessen Ziel es ist, Lithium in geringen Dosen als Nahrungsergänzungsmittel verfügbar zu machen, nicht überall auf Zustimmung. Denn offiziell gilt Lithium bisher nicht als essentieller Nährstoff, ein allgemein anerkannter täglicher Bedarf existiert ergo nicht und insbesondere die präventive Einnahme von niedrig dosiertem Lithium wird innerhalb der Fachwelt nach wie vor kontrovers diskutiert.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Thema allerdings im August 2025 durch eine viel beachtete Studie der Harvard Medical School, die im renommierten Fachjournal «Nature» publiziert wurde. Die Forschungsgruppe um Prof. Bruce Yankner kam zu dem Schluss, dass Lithium im Gehirn eine wichtige Rolle für die Aufrechterhaltung kognitiver Funktionen spiele. Bei Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (MC) war Lithium als einziges der 27 untersuchten Metalle bereits im präfrontalen Kortex signifikant vermindert. In Alzheimer-Gehirnen wurde zudem beobachtet, dass Amyloid-Ablagerungen Lithium binden und dessen Bioverfügbarkeit weiter reduzieren können.
Auch im Tiermodell hatte ein experimentell erzeugter Lithiummangel weitreichende Folgen: Die Amyloid- und Tau-Pathologie nahmen zu, Neuroinflammation und Nervenzellschäden wurden verstärkt und die kognitive Leistungsfähigkeit verschlechterte sich. In separaten Experimenten verhinderte beziehungsweise reversierte sehr niedrig dosiertes Lithiumorotat zahlreiche Alzheimer-typische Veränderungen und Gedächtnisdefizite in den untersuchten Alzheimer-Mausmodellen und bei alternden Wildtyp-Mäusen.
Ob man Nehls’ Interpretation in allen Punkten folgt oder nicht: Seine umfangreichen Arbeiten und die neue Forschung haben dafür gesorgt, dass eine lange wenig beachtete Frage plötzlich weit oben auf der wissenschaftlichen Agenda steht: Welche Bedeutung hat die natürliche Lithiumversorgung tatsächlich für die langfristige Gesundheit unseres Gehirns?
Gerade weil uns bei ALZHEIMER DEUTSCHLAND immer wieder die Frage erreicht, ob Lithium beziehungsweise Lithiumorotat eingenommen werden sollte, wollten wir es genauer wissen und haben mit Dr. Michael Nehls gesprochen. Die Kernthemen lesen Sie nachfolgend zusammengefasst; wer das gesamte Interview sehen möchte, kann dies auf dem YOUTUBE-Kanal von Dr. Michael Nehls tun.
→ Zum vollständigen Video-Interview: https://www.youtube.com/watch?v=MYKWHXwxf80
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Lithium grundsätzlich in unseren Körper gehört, sondern wie viel davon wir Menschen für eine optimale Funktion benötigen. Ich bin aufgrund der wissenschaftlichen Daten davon überzeugt, dass Lithium für den Menschen essentiell ist – auch wenn es bislang offiziell nicht als essentielles Spurenelement anerkannt wurde.“
„Lithium ist kein Allheilmittel. Chronische Erkrankungen sind multikausal, und jeder Mensch kann eine individuelle Kombination aus Mängeln und Belastungen aufweisen – Lithium ist dabei ein bislang unterschätzter Faktor.“
PD Dr. Michael Nehls
„Ein Mausmodell ist ein sehr spezifisches Experiment und nicht hundertprozentig auf den Menschen übertragbar. Lithium ist wichtig für die Hirngesundheit – aber auch Lithium ist kein Allheilmittel.“
PD Dr. Michael Nehls
„Wenn wir umfassende Prävention betreiben wollen, müssen wir auch auf Lithium schauen. Entscheidend ist dann zudem, was dem einzelnen Menschen noch fehlt.“
PD Dr. Michael Nehls
Wer das gesamte Interview sehen möchte, gelangt hier zum YOUTUBE-Kanal von Dr. Michael Nehls: https://www.youtube.com/watch?v=MYKWHXwxf80
Über Dr. Michael Nehls

Privatdozent Dr. med. Michael Nehls ist Arzt und habilitierter Molekulargenetiker mit Schwerpunkt Immunologie. Nach dem Studium der Humanmedizin und seiner Promotion arbeitete er als Grundlagenforscher an deutschen und internationalen Forschungseinrichtungen, unter anderem in den USA. In seiner wissenschaftlichen Laufbahn veröffentlichte er mehr als 50 Originalarbeiten, darunter auch Publikationen in Zusammenarbeit mit Nobelpreisträgern.
Später war er leitender Genomforscher eines US-amerikanischen Unternehmens sowie Forschungsleiter und Vorstandsvorsitzender eines Münchner Biotechnologie-Unternehmens.Seit vielen Jahren beschäftigt sich Nehls insbesondere mit den biologischen Ursachen und der Prävention von Zivilisationserkrankungen, insbesondere der Alzheimer-Krankheit. Für seine Arbeiten auf diesem Gebiet erhielt er 2015 den Hanse-Preis für Molekulare Psychiatrie der Universitätsmedizin Rostock. Als Wissenschaftsautor veröffentlichte er zahlreiche Sachbücher, darunter „Die Alzheimer-Lüge“, „Die Formel gegen Alzheimer“, „Das erschöpfte Gehirn“ und zuletzt „Das Lithium-Komplott – Plädoyer für ein essenzielles Spurenelement“.
Weitere Informationen zur Arbeit von Dr. Michael Nehls:
Ist Lithium ein für den Menschen essenzielles Spurenelement – und könnte ein weit verbreiteter Mangel weitreichende Folgen für unsere körperliche und psychische Gesundheit haben? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Dr. Michael Nehls in seinem 2025 erschienenen Buch „Das Lithium-Komplott – Plädoyer für ein essenzielles Spurenelement.“
Auf Basis umfangreicher wissenschaftlicher Literatur zeichnet der Arzt und Molekulargenetiker nach, welche biologischen Funktionen Lithium im menschlichen Organismus erfüllt und welche Zusammenhänge zwischen einer geringen Lithiumversorgung und der Alzheimer-Krankheit, Depressionen, Angststörungen, Suizidalität sowie weiteren neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen diskutiert werden. Dabei geht es ausdrücklich nicht um die aus der Psychiatrie bekannte hoch dosierte Lithiumtherapie, sondern um Lithium in sehr niedrigen physiologischen Mengen.Doch Nehls wäre nicht Nehls, würde er es bei der medizinischen Betrachtung belassen. Er stellt die Frage, warum Lithium trotz der von ihm zusammengetragenen wissenschaftlichen Erkenntnisse bis heute nicht als essentielles Spurenelement anerkannt ist und lithiumhaltige Nahrungsergänzungsmittel in Europa nicht regulär verfügbar sind. Seine Antwort ist provokant:
Nehls vermutet hinter dem Status quo nicht nur wirtschaftliche Interessen, sondern diskutiert auch gesellschaftliche und politische Motive – bis hin zu der Frage, wem eine zunehmend psychisch belastete und von Zukunftsängsten geprägte Gesellschaft nutzen könnte.Dies macht „Das Lithium-Komplott“ zu einem ungewöhnlichen Buch: Es ist wissenschaftliche Bestandsaufnahme, medizinisches Plädoyer und gesellschaftspolitische Streitschrift zugleich. Nehls will nicht nur informieren, sondern eine Debatte auslösen – über die Frage, ob wir die Bedeutung eines unscheinbaren Spurenelements für unsere Gehirngesundheit möglicherweise jahrzehntelang unterschätzt haben.
Fazit: „Das Lithium-Komplott“ ist ein umfangreiches Werk, dessen medizinisch-wissenschaftliche Argumentation zum Nachdenken anregt und dessen gesellschaftspolitische Schlussfolgerungen zur Diskussion herausfordern. Wer verstehen möchte, warum derzeit so intensiv über Lithium und Gehirngesundheit diskutiert wird, findet hier reichlich Stoff dafür.
Mental Enterprises, 2025. ISBN 978-3-9814048-9-0.
Link zum Buch:
Nehls (2016): „Unified theory of Alzheimer’s disease (UTAD): implications for prevention and curative therapy“In dieser Übersichtsarbeit entwickelt Michael Nehls seine „Unified Theory of Alzheimer’s Disease“, in der er Alzheimer nicht als Folge eines einzelnen pathologischen Prozesses, sondern als Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels von Lebensstil-, Umwelt-, genetischen und metabolischen Faktoren beschreibt. Im Mittelpunkt stehen dabei die adulte hippocampale Neurogenese und die Fähigkeit des Gehirns zur lebenslangen neuronalen Erneuerung. Nehls argumentiert, dass Bewegungsmangel, chronischer Stress, Schlafmangel, unzureichende Nährstoffversorgung, soziale Isolation und Umweltbelastungen diese Prozesse beeinträchtigen und dadurch Alzheimer-typische Veränderungen begünstigen können.
Link: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27429752
Aron et al. (2025): „Lithium deficiency and the onset of Alzheimer’s disease“
Die viel beachtete Harvard-Arbeit untersuchte die natürliche Lithiumhomöostase im menschlichen Gehirn und in verschiedenen Mausmodellen. Bei Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung und Alzheimer war Lithium im präfrontalen Cortex vermindert; zusätzlich konnten Amyloid-Ablagerungen Lithium binden und dadurch seine Bioverfügbarkeit weiter reduzieren. Im Tiermodell führte eine etwa 50-prozentige Verringerung des kortikalen Lithiums zu mehr Amyloid-β, phosphoryliertem Tau, Neuroinflammation, Verlust neuronaler Strukturen und beschleunigtem kognitivem Abbau. Lithiumorotat konnte zahlreiche dieser Veränderungen in den untersuchten Mäusen verhindern beziehungsweise teilweise rückgängig machen. Die Studie liefert damit starke mechanistische Hinweise auf eine physiologische Rolle von Lithium bei der Hirnalterung.
Link: https://www.nature.com/articles/s41586-025-09335-x
Nunes, Viel & Buck (2013): „Microdose lithium treatment stabilized cognitive impairment in patients with Alzheimer’s disease“
Diese randomisierte Studie untersuchte über 15 Monate eine außergewöhnlich niedrige tägliche Dosis von 300 Mikrogramm elementarem Lithium pro Tag bei Patienten mit Alzheimer. Während sich die Werte im Mini-Mental-Status-Test in der Kontrollgruppe im Verlauf verschlechterten, blieben sie in der Lithiumgruppe weitgehend stabil; statistisch signifikante Unterschiede zeigten sich bereits nach drei Monaten und nahmen anschließend zu. Die Autoren werteten dies als Hinweis darauf, dass selbst sehr geringe Lithiumdosen den kognitiven Abbau möglicherweise beeinflussen könnten.
Link: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22746245
Forlenza et al. (2011): „Disease-modifying properties of long-term lithium treatment for amnestic mild cognitive impairment: randomized controlled trial“
In dieser doppelblinden, placebo-kontrollierten Studie wurden 45 Menschen mit amnestischer leichter kognitiver Beeinträchtigung über zwölf Monate mit Lithium beziehungsweise Placebo behandelt. Die Lithiumdosis wurde auf relativ niedrige Serumkonzentrationen von 0,25 bis 0,5 mmol/l eingestellt. Unter Lithium sank die Konzentration von phosphoryliertem Tau im Liquor signifikant, zudem schnitten die Teilnehmer in einzelnen kognitiven Tests – insbesondere bei Aufmerksamkeit und im Alzheimer’s Disease Assessment Scale – besser ab. Die Behandlung wurde insgesamt gut vertragen. Die Autoren sahen darin Hinweise auf mögliche krankheitsmodifizierende Eigenschaften von Lithium in einer frühen Phase des Alzheimer-Kontinuums.
Link: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21525519
Forlenza et al. (2019): „Clinical and biological effects of long-term lithium treatment in older adults with amnestic mild cognitive impairment: randomized clinical trial“
Diese längerfristige randomisierte Studie untersuchte 61 ältere Menschen mit amnestischer MCI; 31 erhielten Lithium, 30 Placebo. Während sich die kognitiven und funktionellen Leistungen der Placebogruppe im Verlauf von zwei Jahren verschlechterten, blieben die mit Lithium behandelten Teilnehmer im Durchschnitt stabil. Nach 24 Monaten zeigten sich Vorteile in Gedächtnis- und Aufmerksamkeitstests; nach 36 Monaten wurde zudem eine Veränderung des Alzheimer-relevanten Liquor-Biomarkers Aβ1-42 beobachtet. Die Autoren werteten die Ergebnisse als weiteren Hinweis auf mögliche krankheitsmodifizierende Effekte einer langfristigen Lithiumbehandlung im MCI-Alzheimer-Kontinuum.
Link: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30947755
Gildengers et al. (2026): „Low-Dose Lithium for Mild Cognitive Impairment: A Pilot Randomized Clinical Trial“
Diese ganz aktuelle, doppelblinde Pilotstudie aus der University of Pittsburgh ist für die Einordnung besonders wichtig, weil sie die Lithium-Hypothese nicht einfach bestätigt. 80 ältere Menschen mit MCI erhielten über zwei Jahre niedrig dosiertes Lithiumcarbonat oder Placebo. Bei der verbalen Gedächtnisleistung nahm die Leistung unter Lithium langsamer ab als unter Placebo. Zwar erreichte keiner der sechs vorab definierten primären Endpunkte nach der erforderlichen Korrektur die festgelegte statistische Signifikanz. Allerdings zeigte das verbale Gedächtnis (CVLT-II) mit p = 0,05 ein nominal signifikantes positives Signal zugunsten von Lithium. Zudem war es ausdrücklich eine Pilotstudie, nur 21 von 80 Teilnehmern waren amyloidpositiv, und gerade dort zeigten explorative Analysen größere Effektstärken.
Link: https://jamanetwork.com/journals/jamaneurology/fullarticle/2845746
Kessing et al. (2017): „Association of lithium in drinking water with the incidence of dementia“
Diese große dänische populationsbasierte Studie verglich die langfristige Lithiumexposition über das Trinkwasser mit der Demenzinzidenz bei mehr als 73.000 Menschen mit Demenz und über 733.000 Kontrollpersonen. Bei den höchsten untersuchten Lithiumkonzentrationen im Trinkwasser war die Demenzrate niedriger als in der Referenzgruppe; auch für Alzheimer zeigte sich in diesem Bereich ein ähnliches Signal. Allerdings war der Zusammenhang nicht linear: Bei mittleren Lithiumkonzentrationen wurde teilweise sogar eine höhere Demenzrate beobachtet. Die Studie liefert somit einen epidemiologischen Hinweis darauf, dass natürliche Lithiumexposition mit Demenzrisiken zusammenhängen könnte.
Link: https://jamanetwork.com/journals/jamapsychiatry/fullarticle/2649277
Fajardo et al. (2018): „Examining the relationship between trace lithium in drinking water and the rising rates of age-adjusted Alzheimer’s disease mortality in Texas“
Die Forscher analysierten Lithiumkonzentrationen aus 6.180 Trinkwasserproben in 234 texanischen Counties und verglichen diese mit Veränderungen der altersadjustierten Alzheimer-Sterblichkeit. Insgesamt stieg die Alzheimer-Mortalität im untersuchten Zeitraum um rund 27 Prozent; Regionen mit höheren natürlichen Lithiumspuren im Trinkwasser zeigten jedoch tendenziell geringere Zunahmen. Der Zusammenhang war statistisch signifikant, wurde aber schwächer beziehungsweise verlor seine Signifikanz, wenn einzelne bekannte Risikofaktoren wie körperliche Inaktivität, Adipositas oder Typ-2-Diabetes berücksichtigt wurden.
Link: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29103043
Noble et al. (2005): „Inhibition of glycogen synthase kinase-3 by lithium correlates with reduced tauopathy and degeneration in vivo“
Diese präklinische Studie beschäftigte sich mit einem zentralen Alzheimer-Mechanismus: der übermäßigen Phosphorylierung und Aggregation des Tau-Proteins. Transgene Mäuse mit menschlichem mutiertem Tau wurden mit Lithiumchlorid behandelt, das die Aktivität der Glykogensynthase-Kinase-3 – kurz GSK-3 – hemmt. Unter Lithium fanden die Forscher signifikant weniger phosphoryliertes Tau und geringere Mengen unlöslicher Tau-Aggregate. Zudem zeigten früh behandelte Tiere weniger axonale Degeneration. Die Arbeit liefert damit einen wichtigen mechanistischen Hinweis darauf, wie Lithium über die GSK-3-Hemmung Alzheimer- beziehungsweise Tau-typische Prozesse beeinflussen könnte.
Link: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC1088065
Fiorentini et al. (2010): „Lithium improves hippocampal neurogenesis, neuropathology and cognitive functions in APP mutant mice“
In dieser tierexperimentellen Arbeit wurden transgene Mäuse untersucht, die aufgrund mutierter Formen des Amyloid-Vorläuferproteins Alzheimer-ähnliche Veränderungen entwickeln. Eine fünfwöchige Lithiumbehandlung verbesserte bei den Tieren die adulte Neurogenese im Hippocampus und war mit günstigeren neuropathologischen und kognitiven Ergebnissen verbunden. Die Verbesserung von hippocampaler Neurogenese und Kognition trat vor allem bei jungen Tieren mit früher Pathologie auf und ging bei älteren Tieren mit fortgeschrittener Aß-Pathologie weitgehend verloren – ein interessanter Hinweis auf die Bedeutung früher Intervention. Die Studie ist besonders interessant, weil sie Lithium nicht nur mit Amyloid-Mechanismen, sondern auch mit der Neubildung von Nervenzellen im Hippocampus verbindet – einem Bereich, der für Lernen und Gedächtnis zentral ist. Sie liefert damit eine weitere mögliche biologische Erklärung für neuroprotektive Lithiumwirkungen.

